Tatütata, der nächste Notfall kommt rein, gleichzeitig hunderte Patienten, die versorgt werden wollen: Untersuchungen, Essen verteilen, Betten machen am Fließband. Viel Stress in so einer Klinik. Und wenig Zeit, sich um andere wichtige Dinge zu kümmern. Eigentlich. Doch wer das Thema Nachhaltigkeit so geschickt in bestehende Abläufe integriert wie das BG Universitätsklinikum Bergmannsheil in Bochum, behandelt den „Klimanotfall“ ganz selbstverständlich im Arbeitsalltag mit – und das ganz schön erfolgreich:

Hospital Hack 1: Gashahn runterdrehen!

Narkosegase sind bis zu 2.500 Mal schädlicher als CO2? Ja, leider – und in vielen Krankenhäusern werden die von den Patient*innen wieder ausgeatmeten Gase einfach nach draußen gepustet.

Doch das Bergmannsheil kennt hier ein einfaches Gegenmittel: Die „Minimal-Flow-Narkose“ verbraucht bis zu 80 Prozent weniger Betäubungsgase! Das ist auch für die Patient*innen gut, weil die Narkose dann viel schonender – aber genauso wirksam – ist. Und das Krankenhaus spart Kosten. Die verbleibenden „Abgase“ wird das Bergmannsheil künftig auffangen, so dass nichts mehr entweicht. Topp 😊.

Hospital Hacks_Visual_klima-krankenhaus

Hospital Hack 2: Iss‘ die Hälfte

Einfach mal die eigenen Prozesse kritisch betrachten – und schon sind ganz schön große Einsparungen möglich. So auch beim Essen. Von den 20-Gramm-Butterpäckchen wurde zum Beispiel oft nur zur Hälfte aufs Brot geschmiert. Das Bergmannsheil stieg deshalb auf 10-Gramm-Päckchen um und spart damit jetzt 2.500 Kilogramm Butter, 60.000 Kilo CO2 und satte 30.000 Euro im Jahr ein. Und wer mehr braucht, bekommt auf Wunsch selbstverständlich ein zusätzliches Päckchen.

Hospital Hack 3: Mehr fragen, weniger wegschmeißen

Insgesamt gilt im Bergmannsheil: vieles gibt es jetzt erst auf Bestellung, was früher ganz automatisch kam. Beispiel Frucht-Joghurt: Viele Patient*innen mögen den gar nicht und lassen ihn stehen. Problem: Jedes Essen, das einmal ausgegeben wurde, muss das Krankenhaus aus Hygienegründen wegschmeißen – selbst wenn es unangerührt und fest verschlossen ist wie ein Joghurtbecher. Durch das neue Nachfrage-System spart das Krankenhaus jetzt pro Jahr über 100.000 Joghurts, ca. 20.000 Euro und eine Menge Abfall.

Apropos Abfall: Auch OP-Besteck (ja, das aus Metall!) landet nach einmaliger Verwendung im Müll. Das Bergmannsheil schmeißt das aber nicht einfach weg wie früher, sondern gibt es einem Recycling-Unternehmen zurück, das das Metall wiederverwertet und so den wertvollen Rohstoff erhält. Außerdem nutzen Klinik-Mitarbeitende jetzt viel häufiger Desinfektionsspray statt Gummihandschuhe. Mal ganz abgesehen davon, dass das weniger Müll bedeutet, ist das auch hygienischer und viel besser für die Haut.

sharepic 1_klima-krankenhaus
sharepic 2_klima-krankenhaus
sharepic 3_klima-krankenhaus
sharepic 4_klima-krankenhaus

Hospital Hack 4: Energie runter, Zufriedenheit rauf

Viele kleine Klimaschutz-Hebel also, die da im Bochumer Bergmannsheil bedient werden, aber es gibt auch die großen Räder, die gedreht werden müssen. Etwa bei der Energie. Davon verbraucht ein Krankenhaus ganz schön viel – für‘s Lüften, Kühlen, Heizen. Hier will das Klinikum sparsamer werden und nimmt sich jetzt die großen Verbraucher vor. Zehn Prozent Energie sollen allein bei der Kühlung gespart werden. Oje, und die armen Patient*innen müssen jetzt schwitzen? „Nein“, sagt Manon Wicking, die Nachhaltigkeitsmanagerin. „Die Patientinnen und Patienten bleiben absolute Priorität. Auch bei der nächsten Hitzewelle!“ Für Abkühlung sorgen dann das begrünte Dach und die neu entstandene Klima-Oase (ein Therapiegarten mit viel Schatten). Außerdem haben die BG-Kliniken gerade einen neuen Hitzeschutzplan erarbeitet, um Patient*innen und Mitarbeiter*innen bestmöglich durch die heißen Tage zu bringen.

Hospital Hacks für Klima – so geht dat im Revier!