Kristina und Zoltan bauen Transporter zu individuellen Campern aus – mit natürlichen Materialien, Solarstrom und cleveren Lösungen für eine lange Nutzung. Hier zeigen sie, wie nachhaltiges Camping funktioniert, ohne auf Komfort und Freiheit zu verzichten.

Eigentlich wollten Kristina und Zoltan aus Köln die Welt sehen. Rucksack auf, ein Jahr lang reisen, neue Länder entdecken, raus aus dem Alltag. Kristina hatte ihren Bürojob bereits gekündigt. Dann kam Corona und ließ die Weltreise platzen.

Es musste schnell ein Plan B her und der kam als leerer Transporter vorbeigefahren. „Wir waren vorher noch nie campen“, erzählt Kristina. Doch Zoltan ist Architekt und hatte viele Ideen, wie sich aus einem einfachen Van ein kuscheliges Zuhause auf vier Rädern bauen lässt. Sieben Monate lang werkelten die beiden mit Säge, Akkuschrauber, Zange und Stromprüfer – und lernten die Do-it-Yourself-Märkte in der Nachbarschaft kennen. Drei Monate lang quer durch Europa testeten sie ihren rollenden Prototyp. Und dabei war schnell klar: Irgendwas lässt sich beim Camper-Ausbau immer noch verbessern.

So entstand aus der Corona-Notlösung eine Geschäftsidee: Nach der Reise gründeten die beiden das Start-up Road Birds und bauen seitdem Transporter zu individuellen Campern aus – mit cleveren Details und einem besonderen Blick auf Nachhaltigkeit.

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Nachhaltiges Van-Upgrade | © MWIKE NRW
Natürlich unterwegs

Im Innenraum gibt’s viel Bambus, Holz und Leinen statt Plastik. Diese natürlichen Materialien schaffen nicht nur eine warme, gemütliche Atmosphäre, sondern halten auch viel länger. Außerdem haben die Holzmöbel noch einen anderen praktischen Vorteil: Wenn sie mal einen Kratzer abbekommen, können sie einfach abgeschliffen und aufgearbeitet werden und sehen wieder aus wie neu.

Für Kristina und Zoltan bedeutet nachhaltiges Campen dabei nicht, auf Komfort zu verzichten. Es geht eher darum, Dinge bewusst auszuwählen und sie möglichst lange zu nutzen. So haben sie sich zum Beispiel gegen eine klassische Chemietoilette entschieden. Stattdessen haben sie eine mobile Trockentrenntoilette im Gepäck – natürlich und fast geruchlos.

Ein Camper wie ein Puzzle

Die einzelnen Möbelstücke im Camper können mit wenigen Schrauben aus- und wieder eingebaut werden, wie bei einem riesigen Puzzle. Küchenzeile, Hocker, Sitzbank oder Schrank: Jedes Element lässt sich einzeln reparieren oder ersetzen. Klingt nach einer Spielerei? Ist aber ziemlich praktisch und nachhaltig. Denn wenn zum Beispiel die Küchenbox kaputt geht, muss nicht gleich der komplette Innenausbau erneuert werden. Und wenn der Camper irgendwann ausgedient hat? Dann ziehen die Möbel einfach in das neue Fahrzeug um.

Die Sonne fährt mit

Auf dem Dach des Campers sitzen drei Solarpanels. Die liefern Strom, der in einer Lithium-Batterie gespeichert wird. Damit lassen sich Licht, Kühlschrank, Laptop und Handy betreiben. Um den Strombedarf beim Camping im Sommer zu decken, reicht je nach Verbrauch eine Solaranlage mit einer Leistung zwischen 100 und 400 Watt und eine Batterie mit ca. 300 Amperestunden (Ah) vollkommen aus. Auch zwei bis drei Regentage sind dann kein Problem. Und wenn die Sonne gar nicht mehr scheint? Dann kann der Akku über die Fahrzeugbatterie auf einer kurzen Fahrt zum nächsten Café geladen werden.

Extra-Tipp für alle, die die Kosten einer fest installierten Solaranlage scheuen: Es gibt günstigere, faltbare Solarmodule – die sind super praktisch und können zum Beispiel auch beim Campen mit Zelt zum Einsatz kommen.

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Camping mit Solarstrom? Easy! | © MWIKE NRW

Solarstrom ist für mich beim Campen ein No-Brainer! Wir sind damit ziemlich unabhängig von Campingplätzen und Stromanschlüssen.

Kristina l Gründerin
Next Level: eCamper

Aus der geplatzten Weltreise und ihrem Start-up ist inzwischen ein Familienabenteuer geworden. Hund Morzsa gehört längst zur Camping-Crew und ihr Töchterchen, erst vor wenigen Wochen geboren, soll bald auch mit auf Tour gehen.

Doch einen Wunsch haben Kristina und Zoltan noch: Wenn Camping wirklich nachhaltiger werden soll, muss irgendwann auch das Fahrzeug selbst mitziehen. Der nächste Schritt ist deshalb ganz klar: Ein Camper mit Elektroantrieb. Erste Modelle mit akzeptabler Reichweite gibt es bereits.

Und wenn sie soweit sind, machen sie es wie immer: Einsteigen. Losfahren. Und sehen, wohin die Reise geht.

FAQ

Was macht einen Camper nachhaltiger?

Ein nachhaltiger Camper setzt zum Beispiel auf langlebige Materialien, reparierbare Möbel und einen bewussten Umgang mit Energie und Ressourcen. Dabei können Materialien wie Holz, Bambus und Leinen, Solarstrom und nachhaltige Toilettensysteme zum Einsatz kommen. Es gibt auch bereits erste Camper mit Elektroantrieb, sogenannte eCamper.


Wie funktioniert Solarstrom beim Camping?

Festverbaute Solarmodule auf dem Dach oder mobile Solarpanels erzeugen Strom, der in einer Lithium-Batterie gespeichert wird. Ein Laderegler reguliert dabei den Stromfluss zwischen den Solarmodulen und der Batterie und schützt die Batterie vor Überladung und Tiefentladung. Ein Wechselrichter wandelt den 12 Volt Gleichstrom der Batterie in 230 Volt Wechselstrom um, so dass auch größere elektrische Geräte wie eine Kaffeemaschine oder ein Induktionskochfeld angeschlossen werden können.


Wie leistungsstark muss eine Solaranlage beim Camping sein?

Um den Strombedarf beim Camping im Sommer zu decken, benötigen Camper*innen in der Regel eine Solaranlage mit einer Leistung zwischen 100 und 400 Watt und eine Lithium-Batterie mit ca. 300 Amperestunden (Ah) (Quelle: TÜV Verband 2023). Bevor eine Solaranlage installiert wird, sollte vorab der tatsächliche individuelle Strombedarf ermittelt werden.


Was ist eine Trockentrenntoilette?

Eine Trockentrenn-Toilette ist ein (mobiles) Toilettensystem, das unter anderem beim Camping zum Einsatz kommt. Die Trockentrenn-Toilette trennt feste und flüssige Ausscheidungen und kommt ohne Chemie und Wasser aus. Sie ist damit eine nachhaltigere und nahezu geruchlose Alternative zur klassischen Chemietoilette. Darüber hinaus gibt es weitere alternative Toilettensysteme für Wohnmobile und Camper wie die Verschweißtoilette, die Verbrennungstoilette oder die Komposttrenntoilette.