Was machen die meisten Deutschen als Allererstes, wenn sie nach Hause kommen? Genau: Hände waschen! Und auch bei der Arbeit und unterwegs greifen wir immer wieder zu Wasser und Seife – im Schnitt sechs bis zehn Mal am Tag. Leere Seifenkartuschen landen dann meist im Müll. Außerdem enthalten viele Flüssigseifen minikleine Plastikteilchen und gelöste Kunststoffe, die über den Abfluss in die Umwelt gelangen. Muss das wirklich sein? „Nö“, sagt Constanze und dreht an einem Seifenspender, der nach Wiesenheu duftet.

Vom Aha-Moment zur Geschäftsidee

Constanze kennt die Welt der Waschbecken ziemlich gut. Viele Jahre arbeitete sie in leitenden Positionen bei einem Weltmarktführer für Flüssigseifenspender. Doch irgendwann fragte sie sich: Warum werfen wir leere Seifenkartuschen weg, obwohl da noch Seife drin ist? Und warum bauen wir Seifenspender, die nicht repariert werden können?

2011 übernimmt sie SAPOR – ein traditionsreicher Hersteller für feste Seife und Trockenseifenspender. Viele Großeltern kennen die Spender noch aus der Schule – und auch das typische „Klick“ beim Drehen. Doch neben Nostalgie gibt’s jetzt: Kreislaufwirtschaft. Klingt kompliziert? Dabei ist es ganz einfach: Dinge werden möglichst lange genutzt, repariert und recycelt – statt ständig Neues herzustellen und Altes wegzuwerfen. Aber lässt sich damit auch wirtschaftlich erfolgreich arbeiten?

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Kreislaufwirtschaft: Von Schaf bis Seife | © MWIKE NRW
Design mit Plan

Mitten auf dem UNESCO-Welterbe Zeche Zollverein in Essen entwickelt das Unternehmen feste Seifen und langlebige Seifenspender. Schon beim Produkt-Design beginnt der Kreislauf: Statt aus neuem Plastik besteht der Spender aus recyceltem Kunststoff aus dem gelben Sack mit 75 Prozent Grasfasern. Der Seifenspender ist so gebaut, dass er auch bei täglicher Nutzung viele Jahre hält. Und wenn doch mal was kaputt geht? Dann wird er nicht entsorgt, sondern in einem der zwei Refurbishment-Center repariert. Und wenn wirklich nichts mehr zu retten ist? Dann wird das Material geschreddert, eingeschmolzen und für neue Seifenspender genutzt. Das geht bis zu fünf Mal! Kreislaufwirtschaft eben.

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Es gibt keinen Müll – nur Materialien, die noch nicht wieder genutzt werden.

Constanze l Geschäftsführerin SAPOR

Flüssigseife besteht zum größten Teil aus Wasser. SAPOR produziert und transportiert hingegen nur das, was wirklich gebraucht wird: Seife. Im Spender wird die feste Seife zu feinen Flocken geraspelt – einmal Drehen und nur die benötigte Menge rieselt auf die Hand. Und feste Seife ist viel ergiebiger: Ein kleines 40-Gramm-Stück entspricht ungefähr einem Liter Flüssigseife und reicht für bis zu 400 Mal Händewasche. Außerdem bleibt bei Flüssigseifenspendern immer ein kleiner Rest in der Kartusche zurück und es bilden sich schnell Keime – trockene Seife ist geraspelt im Spender hygienischer und wird komplett aufgebraucht.

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Der Kreislauf rechnet sich

Das Prinzip Kreislauf dreht sich bei SAPOR durch alle Bereiche. Reste bei der Seifenherstellung werden direkt wieder in die Produktion gegeben – nichts bleibt übrig. Die Seifen aus pflanzlichen Ölen sind biologisch abbaubar. Verpackt und versendet wird komplett ohne Plastik.

Aber lohnt sich das auch wirtschaftlich? Ja. Gerade deshalb. Wer weniger Material verbraucht, spart Kosten. Weniger Produktionsabfälle, weniger Lagerfläche, weniger Transportgewicht. Gleichzeitig sorgen die lange Lebensdauer der Seifenspender und das Service- und Ersatzteilgeschäft dafür, dass Kund*innen dauerhaft an das Unternehmen gebunden werden. „Kreislaufwirtschaft bedeutet hier nicht Verzicht“, sagt Constanze und lächelt. „Das ist ein ziemlich smartes Geschäftsmodell.“

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Plastik raus. Seife rein. | © MWIKE NRW

Kreislaufwirtschaft – win-win für alle!

Schont Ressourcen: Weniger neue Rohstoffe werden gebraucht
Vermeidet Müll: Produkte bleiben länger im Einsatz
Spart Energie: Recycling ist effizienter als Neuproduktion
Schafft Chancen: stärkt die regionale Wirtschaft
Schützt das Klima: Weniger Verbrauch, weniger Emissionen

Viele Unternehmen und Organisationen in NRW machen mit – einen Überblick gibt’s hier.